Der erste Herbstritt

Heute meinte es der Wettergott wirklich nicht allzu gut mit uns beim Reiten. Dauerregen und nass-kalt. Das „perfekte“ Wetter für meine Spastik. Zumal ich ohnehin schon unter Spastikschmerzen litt in den vergangenen Tagen. Und tatsächlich fühlte sich dieser Ritt anders an, als die vielen wunderbaren Momente der letzten Wochen. Nicht schlecht, einfach anders. Der Schritt zwar sanft und sicher wie immer, aber nicht so gleichmäßig wie sonst. Ich war mit meiner Stunde auch früher dran als sonst und Shirleys „Dreadlock“- Frisur verriet, dass sie die Mittagspause auf der Koppel verbracht hatte.

Es wirkte fast ein bisschen so, als müsse sich auch Shirley erst ein wenig „warmlaufen“. Dazu war auch meine eigene Muskulatur „ziemlich auf Spannung“ – insbesondere der Schulterbereich, sodass dieser Ritt für alle wohl mehr Arbeit als Genuss war. Erst langsam spürte ich, wie es Shirley gelang, meine Verkrampfungen zu lösen und ich hatte den Eindruck, dass die Anspannung verhinderte, dass ich mich ähnlich gut in Shirleys Rhythmus fallen lassen konnte, wie in den Vorwochen. Ich habe zwar auch heute den Hütchen-Parcours absolviert, aber auch das war deutlich mehr Arbeit.

Mein ganz persönliches Highlight dieser Woche hatte ich, nachdem ich bereits wieder abgestiegen war. Nicht nur, dass Shirley ungewöhnlich viel Nähe und Körperkontakt suchte – das ist für mich mindestens genauso schön wie von ihr getragen zu werden – nein, ich durfte ihr auch noch ihre wohlverdiente Belohnung füttern, wobei ihr auch meine deutlich schlechtere linke Hand benutzte. Nicht ganz freiwillig zwar, aber es gibt eben Menschen, denen man fast keine Bitte abschlagen kann.

Nach anfänglicher Skepsis verlief das „Experiment“ erfolgreich und es schien fast so, als wäre sie bei den Möhren aus der „schlechten Hand“ noch vorsichtiger gewesen. Im Anschluss an die Belohnung durfte sich Shirley frei bewegen. Meine Reittherapeutin hatte gespürt, dass Shirley sich Wälzen wollte. Sie suchte sich auch sogleich ein hübsches Plätzchen dafür. Ein kurzes Wälzen, aber trotzdem ein traumhaftes Bild, bei dem einem das Herz aufgeht.

Nächste Woche ist leider kein Reiten, sodass der nächste Eintrag an dieser Stelle erst in 14 Tagen erfolgen kann.

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