Eine halbe Stunde Selbsterkenntnis und Glück

Nun war es also soweit. In dieser Woche sollte ich an einem anderen Wochentag und statt am Vormittag nachmittags reiten. Etwas aufgeregt, aber dennoch auch irgendwie mit genau der „richtigen Portion Lampenfieber“ fuhr ich also zu Shirley. Wir waren auf meinen Wunsch extra sehr rechtzeitig losgefahren und meine Befürchtungen in Sachen Verkehrsstau hatten sich auch nicht bewahrheitet. So kam es, dass ich noch den Rest der Stunde des Patienten bor mir beobachten konnte, der ebenfalls auf Shirley ritt. Die Beobachtung beruhigte mich innerlich zwar, aber dennoch wurde ich aufgeregter, je näher der große Moment rückte, Als ich schließlich auf Shirleys Rücken Platz genommen hatte und wir die ersten paar Schritte zum Verlassen der Halle gegangen waren, passierte etwas, was ich aus meiner Erfahrung mit Felix zwar schon kannte, aber was so intensiv ist, dass man es kaum in Worte fassen kann. Einen unzureichenden Versuch werde ich an dieser Stelle trotzdem unternehmen. Kaum hatten wir die kleine Kurve auf den großen Rundweg um die Koppeln hinter uns gelassen, durchströmte mich wie aus dem Nichts ein Gefühl völliger Sicherheit und Geborgenheit. Shirleys sanfter und doch so gleichmäßiger Schritt, ihre gespitzten Ohren und ihr wiederholtes Schnauben taten ein Übriges. Und das, obwohl es doch so viel gab, was uns beide hätte ablenken können. Die vielen anderen Pferde auf den Koppeln, die vielen Gespenster, die den Reiter aus Baumkronen hätten anfallen können, die Äste, die einen streifen und der unebene Boden. Aber stattdessen: Der sanfte Schritt entspannte mich, der Blick über die Weiden mit Shirleys größtenteils dösenden oder sehr relaxten Artgenossen machte mich glücklich und das Pferd unter mir gab mir alle Sicherheit der Welt. Kennen Sie das Gefühl zu glauben, in diesem Moment könnte die Welt einstürzen und Sie sind trotzdem sicher und glücklich. Während dieser halben Stunde hatte ich es und vermutich war es genau dieses Gefühl, was mich eine hübsche junge Reiterin, die des Weges, kam grüßen ließ.

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