Sturmfest und erdverwachsen…

… sind nicht nur Niedersachsen, sondern auch Shirley. Orkantief Christian hatte uns am Montag ja mehr als genug Wind gemacht. Ich fragte mich, wie Shirley darauf reagieren würde. Die Antwort kann nur lauten: ziemlich cool. Ich glaube, die Zweibeiner hatten mehr Sorge vor den lauten und klappernden Geräuschen als Shirley. Abgesehen von den Wetterkapriolen war diese Stunde in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur, dass es meine erste offizielle Nachmittagsstunde war und damit die erste, die nun offiziell 10 Minuten länger war, nein es gab gleich mehrere Premieren zu Pferd. Nachdem wir wenige Schritte gegangen waren, blieb Shirley stehen. Allen war klar: Sie musste mal äppeln. Ich kann wirklich nur hoffen Shirley, dass ich es dir so angenehm wie möglich gemacht habe. Ich habe verstanden und du darfst äppeln und auch Pipi machen wäre völlig ok. Nachdem der Darm entleert war, begannen die Herausforderungen für mich. „Zufällig“ standen in der Reitbahn noch mehrere Kegel auf gerader Linie. Was liegt da näher, als einen kleinen Hütchenslalom durch die Kegel einzubauen. Übrigens eine ganz wunderbare Übung zur Koordination und zum Gleichgewicht und für mich doch sehr überraschend, wie viel schwerer einem die Übung zu Beginn fällt, wenn niemand hinter einem sitzt. Trotzdem fühlte sich das echt toll an. Und, weil das eben so gut geklappt hatte, baute man doch gleich die nächste Herausforderung ein. Selbes Spiel, andere Hand. Nachdem das erste Hütchen ungewohnt war, klappte auch das ziemlich gut. Also, zurück in den normalen Schritt. Sehr schön und unglaublich gleichmäßig, fast, als wolle sie mich in eine andere Welt wiegen, absolvierte Shirley ihre Runden. Und so kam es, dass ich gar nicht bemerkte, wie eine der beiden neben dem Pferd laufenden Personen die Hand ein paar Zentimeter wegnahm. Erst ganz kurz, dann länger. Es fühlte sich phantastisch an. Das Bild der Stunde entstand aber ganz am Schluss. Kurz bevor ich abstieg, drehte Shirley ihren Kopf nach hinten und sah mich mit ihren wunderschönen, unterschiedlich farbigen Augen an. Nach einem kurzen Schreck meinerseits war das doch ein Bild was blieb. In ihren Augen lag ehrlicher Sanftmut. Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du ein Engel auf vier Hufen bist? Ich weiß, dass ist bestimmt nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Mal, dass ich das Bedürfnis verspüre „Danke“ zu sagen. Bei Shirley für ihre Geduld mit mir und für die Sanftheit und Sicherheit mit der sie mich durch die Welt trägt, bei meiner Reittherapeutin für ihr Vertrauen in meinen Körper und die unglaublich gute Motivation und bei meiner besten Freundin dafür, dass sie mir vor Beginn der Arbeit mit Shirley klar gemacht hat, was für eine wunderbare Chance das ist und dass sie meine Zweifel nicht hören mag. Ihr alle seid wunderbar!